
Kirche
-Kirchengeschichte-
„Lass ma de Kerch im Dorf.“
Die Geschichte der Melbacher Kirche reicht bis in das frühe Mittelalter zurück. Bereits im 7. und 8. Jahrhundert entstanden in der Wetterau erste Eigenkirchen der Grundherren, so auch in Melbach. Die erste urkundliche Erwähnung der Melbacher Kirche stammt aus dem 14. Jahrhundert. Sie war dem heiligen Jakobus dem Älteren geweiht und lag an einem wichtigen Pilgerweg nach Santiago de Compostela.
Im Mittelalter gehörte sie zum Kloster Fulda und später zur Propstei Petersberg, die das Patronatsrecht über die Pfarrer ausübte. Mit der Reformation im 16. Jahrhundert wurde Melbach früh evangelisch. Der Kirchenraum wurde den neuen liturgischen Anforderungen angepasst, Emporen eingebaut und die Kanzel näher an die Gemeinde gerückt. Direkt angrenzend zur Kirche befand sich das Haus "Armenruhe" in der Großen Gasse 29. Dies war ursprünglich Herberge für Pilger und diente nach 1945 als Unterkunft für Heimatvertriebene.
Die alte Jakobuskirche verfiel im Laufe der Zeit und wurde 1815 abgebrochen. Bereits ein Jahr später, am 20. Oktober 1816, konnte die heutige klassizistische Kirche eingeweiht werden. Ihr 200-jähriges Bestehen wurde 2016 groß gefeiert. Für ihren Bau verwendete man unter anderem Steine der alten Kirche sowie Baumaterial aus aufgehobenen Klöstern der Region. Der zur Einweihung gegründete Kirchenchor gilt als Ursprung des heutigen Melbacher Gesangvereins.
Im 19. Jahrhundert prägten engagierte Pfarrer das Gemeindeleben und förderten Schule, Bildung und kirchliches Leben. Seit dem späten 20. Jahrhundert bildet Melbach gemeinsam mit Södel eine Kirchengemeinde. Bis heute ist die evangelische Kirche Mittelpunkt des Dorfes – als Ort des Glaubens, der Begegnung und als sichtbares Zeugnis einer über 700-jährigen Kirchengeschichte.

Glockenweihe 1922
Eginhard Philippi: Der Gesangverein
Dass der Gesangverein in Melbach seinen Ausgang bei den schlechten männlichen Sängern der Kirchengemeinde nahm, weiß heute kaum noch jemand. Weil die Herren nur krumme Töne hervorbrachten, gründete ein Melbacher Pfarrer Anfang des 19. Jahrhunderts den Vorläufer des Gesangvereins. Eginhard Philippi ist leidenschaftlicher Sänger und engagierte sich viele Jahre für den Verein.


Menü zur Hochzeit von Lina Hensel und Adolf Kleberger, 1911.
Früher war eine Hochzeit in der Wetterau weit mehr als ein privates Fest – sie galt als öffentliches Ereignis der gesamten Dorfgemeinschaft. Bereits die Verlobung wurde gefeiert mit dem Polterabend, dem „Dippe schmeiße“. Altes Geschirr wurde lautstark im Hof der bald Vermählten zerschlagen - die Scherben sollten Glück bringen. Oft war das Klirren so laut, das bald das ganze Dorf zusammenkam. Geheiratet wurde meist nach der Ernte im Herbst oder Winter.
Nach dem feierlichen Hochzeitszug folgten Gottesdienst, Festmahl und Tanz. Die Braut brachte ihre Aussteuer mit, die den Wohlstand der Familie zeigte. Bei den Feierlichkeiten legte man Wert auf bestes Essen und gute Musik, wie das Hochzeitsmenü von Lina und Adolf Kleberger (Große Gasse 14) aus dem Jahr 1911 belegt (siehe Bild). Sicher war dieses edle Hochzeitsmenü nur den gut betuchten Großbauern möglich. Vermählungen stärkten nicht nur die Verbindung zweier Menschen, sondern auch den Zusammenhalt des Dorfes.

Hochzeitsgesellschaft von Ida Schudt und Karl Schaubach, ca. 1925.
Jubiläum 1200 Jahre

Adventskonzert des Gesangvereins Liederkranz mit dem Gesamtchor am 3. Dezember 2017 in der evangelischen Kirche Melbach.

Am 29. April 2018 fand die akademische Feier statt. Zu diesem Anlass wurde im Kirchhof eine Kastanie gepflanzt.

