
Gaststätte
"Zum Grünen Baum"
-Geselligkeit-
„En Schoppe, e Wort – un schon weiß es ganze Dorf Bescheid.“
In Melbach wurde schon immer gerne gefeiert und auch der eine oder andere Tropfen genossen. 1319 eröffnete hier das erste in den Quellen nachweisbare Wirtshaus. Es besaß auch das Herbergs- und Ausspannrecht. Das bedeutet, dass hier Reisende übernachteten auf ihrem Weg durch die nicht ganz ungefährliche Wetterau.
Das Gasthaus lag damals vor dem Untertor, also außerhalb der Ortsbefestigung. Fremde sollten nach Möglichkeit nicht ins Dorf kommen. Seit dem Mittelalter wurde Wein in der Gegend angebaut und auch reichlich genossen. Bier wurde erst ab etwa 1700 zum beliebten Getränk und wurde um 1800 vom Apfelwein abgelöst. Der hatte seinen Siegeszug vom nahen Frankfurt aus angetreten, als der Weinbau in der Wetterau zu unrentabel wurde.
Ab etwa 1800 haben wir einen guten Überblick über Gast- und Wirtshäuser sowie Braustuben und Keltereien in Melbach. 1832 gab es vier ausschankberechtigte Häuser im Dorf. Eines gehörte der Familie Kaiser, die seit 1730 das „Gasthaus zum Grünen Baum“ hier in der späteren Friedberger Straße betrieb. 1762 wurde auf einem Tisch des Gastraums Erbprinz Ferdinand von Braunschweig behandelt. Er wurde zuvor bei der Schlacht am Johannisberg bei Friedberg verwundet.
Im 19. Jahrhundert übernahm die Familie Marloff das Gasthaus und betrieb es als „Gasthaus Marloff oder Marloffs Frieda“ bis 1967. In der Friedberger Straße 2 befand sich eine Gastwirtschaft "Zur Post" mit Kino und Tanzsaal, wo Kerb und Theateraufführungen stattfanden. Weitere Gasthäuser befanden sich Mitte des 20. Jahrhunderts im Ort, wie das “Gasthaus zum Bahnhof” später “Gasthaus Pfarrer”, das Café Busch (nach Umzug Gaststätte „Zum Haag“), Gasthaus “Zur guten Quelle” (auch “Bremersch” oder Röder Lina), oder der „Felsenkeller“, um nur einige zu nennen.
In den 1950er und 1960er Jahren verzeichnete Melbach zeitweise sieben Gastwirte, kleinere Wirtschaften und Schankräume zur gleichen Zeit.

Ausschank in der Gaststätte Pfarrer, Willi Schmidt und Dieter Pfarrer, ca. 1960
Karin Pfarrer - Sieben Gaststätten
Im kleinen Melbach gab es einst sieben Gaststätten und Wirtshäuser, die parallel existierten. Alle hatten ihre Kunden und Spezialitäten. Diese Zeiten sind heute vorbei. Aber Karin Pfarrer kennt sie noch alle. Als Wirtin der Gaststätte Pfarrer, die später auch das Vereinslokal der SG Melbach war, hat sie so einige Geschichten an der Theke miterlebt.
Der Räuber Johannes Bückler, besser bekannt als Schinderhannes, hielt sich nach neueren Forschungen tatsächlich auch in Melbach auf. Nach den Aufzeichnungen des Melbacher Pfarrers Johann Friedrich Görtz wohnte er um 1801/1802 im damaligen Gasthof „Zum Grünen Baum“, dem späteren Marloffschen Gasthaus in der heutigen Friedberger Straße. Dort fand die Bande während der politischen Umbrüche nach dem Ende der Reichsritterschaft offenbar zeitweise Unterschlupf.
Von Melbach aus sollen Schinderhannes und seine Gefährten ihre Wege in die Wetterau geplant haben. Besonders der Überfall auf das Haus des jüdischen Kaufmanns Abraham Kaufmann in Södel wird mit diesem Aufenthalt in Verbindung gebracht. Zu den engsten Vertrauten des Schinderhannes gehörten Christian Reinhard, dessen Ehefrau aus Södel stammte, genannt der „Schwarze Jonas“ sowie Philipp Ludwig Ernst Mosebach aus Trais-Horloff stammend, der als einer seiner wichtigsten Lehrmeister galt.
Die Melbacher Überlieferung, lange Zeit als Sage betrachtet, wird heute durch historische Quellen deutlich gestützt und macht den Ort zu einem bemerkenswerten Schauplatz in der Geschichte des berühmtesten Räubers. 1805 wurde der Schinderhannes in Mainz hingerichtet.

Im Hof der Metzgerei Rau 1927 - später Gaststätte Pfarrer.
Magda Gerlach: Der Schinderhannes
Der Schinderhannes trieb im ausgehenden 18. Jahrhundert sein Unwesen in der Wetterau. Auch in Melbach war der Räuber zu Gast. Magda Gerlach organisiert im Rahmen des Jubiläums eine Veranstaltung zum Schinderhannes und seinem Wirken vor Ort. Manch einem Besucher lief der kalte Schauer über den Rücken.

Der Schinderhannes (links) und der "Schwarze Jonas" machten auch in Melbach mehrfach Halt in der Gaststätte "Zum Grünen Baum"
Jubiläum 1200 Jahre

Am 17. Juni 2017 schauderte es den Melbachern. In der ehemaligen Gaststätte "Zum Grünen Baum" ging es um den Schinderhannes. Experte Dr. Dr. Mark Scheibe eröffnete die Ausstellung in den Räumlichkeiten des Anwesens.

Für die Ausstellung wurde sogar eine 4m hohe Guillotine durch die Mitarbeiter des Bauhofs Wölfersheim von Kaiserslautern nach Melbach gebracht. Magda Gerlach nahm dies bei ihrer Begrüßung auf: "Wer kann schon von sich behaupten, einmal mit einer 4 Meter hohen Guillotine über die A5 gefahren zu sein?"


