
Breidenbach Hof
-Landwirtschaft-
„Wie mer säät, so werd geernt.“
Die Landwirtschaft prägte Melbach über Jahrhunderte und machte das Dorf zu einem bedeutenden Agrarstandort in der fruchtbaren Wetterau, der „Kornkammer Hessens“. Auf den nährstoffreichen Lössböden bauten die Bauern zunächst vor allem Weizen an, später gewannen Roggen, Gerste, Hafer sowie Hülsenfrüchte und Klee an Bedeutung. Wein wurde umfangreich als Sonderkultur angebaut. Große Höfe produzierten für die überregionale Vermarktung auf Märkten.
Mit der Einführung der Kartoffel im 18. Jahrhundert begann eine kleine Revolution: Sie verbesserte die Ernährung, diente als Viehfutter und wurde vielerorts sogar zur Schnapsherstellung genutzt. Im 19. Jahrhundert entwickelte sich der Zuckerrübenanbau zu einem wichtigen Erwerbszweig. Der geplante Bau einer Zuckerfabrik in Berstadt und die Bahnstrecke Friedberg–Hungen sollten den Absatz erleichtern. Zwar wurde die Fabrik letztlich nicht verwirklicht, dennoch blieb der Zuckerrübenanbau ein prägender Wirtschaftszweig.

Wilhelm Löbrich auf dem Weg zum Pflügen, ca. 1941
Eginhard Philippi: Breidenbach Hof
Auf dem Hof der Familie Breidenbach herrschte vor allem in der Erntezeit geschäftiges Treiben. Daran erinnert sich Eginhard Philippi noch gut. Er wuchs in der Nachbarschaft auf. Der Breidenbach Hof gehörte als eines von mehreren Gütern zu den größten Landwirtschaften in Melbach.
Nach dem Zweiten Weltkrieg war Melbach weiterhin ein landwirtschaftlich geprägtes Dorf: 1950 wurden über 750 Hektar bewirtschaftet, davon fast 95 Prozent als Ackerland. Mehr als 1.100 Apfelbäume, hunderte Pflaumen-, Kirsch- und Birnbäume sowie knapp 300 Milchkühe zeugten von einer vielfältigen Landwirtschaft. Bereits damals arbeiteten in Melbach zwölf Traktoren – ein Zeichen der fortschreitenden Mechanisierung.
Heute bewirtschaften nur noch wenige Betriebe die Felder. Einer davon ist der Hof der Familie Breidenbach in der Friedberger Straße. Bereits in einer Auflistung der Landwirtschaften aus dem Jahr 1950 wurde der Betrieb genannt. Damals war er einer von 46.

Auguste und Robert Betz in der Friedberger Straße 10. Hinter der Tür rechts befand sich eine der Viehwaagen von Melbach.
Die Sau im Löschteich
Ein Bauer wollt vor langen Zeiten, ein Schlachtschwein mal zum Metzger treiben, dort sollt die Sau dann bitte sehr, geschlachtet werden zum Verzehr. Der Sau hatte der Bauer unumwunden, nen Strick um’s Hinterbein gebunden. So sind Bauer und Schwein ungeniert, zum Wiegen bei die Dina Betz marschiert.
Auf der Viehwaage ungelogen, wurd’ lebend dort die Sau gewogen. Nach dem Wiegen bei Frau Betz, ist der Bauer Richtung Metzgerei gehetzt. Die Sau voran, in schnellem Schritt, der Bauer kam nur hechelnd mit, krampfhaft das Seil in seiner Hand, ist die Sau grunzend mit ihm losgerannt.
Es ging dann Richtung Metzgerei, der Sau war das nicht einerlei. Das Schwein, es ist ein schlaues Tier, es dachte sich: „Was mach ich hier? Mein Bauer will mich vor allen Dingen, zum Metzger, Hugo Pfarrer, bringen. Dort ich dann auf schnellstem Wege, zur Fleisch- und Blutwurst werde. Doch dieses soll ihm nicht gelingen,
ich werd’ dem Bauer schnell entspringen.“
Die Sau hat sich, ihr sollt es wisse, von dem Seil dann losgerisse, zum Brandweiher ist sie gerannt, schaute rein, ganz gebannt,
und sprang mit ihrem ganzen Schweinemut über die Löschteichmauer – gar nicht gut.
Der Landwirt dachte in seiner Not: „Menschenskind, die Sau ist tot. “ Er schaute in den Löschteich runter, jedoch die Sau, sie war munter, das linke Bein, das tat ihr weh, ansonsten war die Sau o.k. Doch was tun, die Sau war schwer, nach oben hieven ging nicht mehr, dem Bauer war’s nicht einerlei, wie kriegt er die Sau zur Metzgerei?
Der Landwirt überlegte hin und her, er sprach: „Der Metzger, der muss her.“ Der Hugo Pfarrer kam sodann, bewaffnet mit dem Schlachtzeug an. Er stieg mit 4 Mann ganz munter, in den Brandweiher hinunter. Unten rannten die viere dann im Kreis,
dem Schweinchen nach, es floss der Schweiß.
Sie fingen ein die Sau mit aller Macht, der Hugo sie dann geschlacht’. Im Löschteich wurde sie zerteilt, und einzeln dann auch hochgeseilt. Melbachs Bürger schauten ganz in Ruh dem Schauspiel fröhlich lachend zu. Niemand hat Anstoß dran genommen, dass die Sau im Weiher umgekommen.
Die Schnitzel von der Sau waren begehrt, sie wurden genüsslich schmatzend auch verzehrt.
Von Volker Zorn
Volker Zorn: Landwirtschaft
In Melbach gab es früher viele kleine Landwirte. Nahezu jede Familie versorgte sich weitgehend selbst. Volker Zorn erinnert sich noch gut an die Jahre, als die meisten Bauern im Dorf kaum mehr als zwei Kühe und zwei Schweine hatten. Später ist er selbst Landwirt geworden und hat den elterlichen Betrieb vergrößert.

Die Flachsernte war damals noch vielfach Handarbeit. Erst nach und nach kamen Maschinen hinzu. Foto aus dem Jahr 1937.
Karl Jahn
Albert Marloff
Georg Mörschel¹
Heinrich Heyer, auch Hausmetzger
Robert Schmidt, auch Gastwirt
Rudolf Keil
Lina Schmidt, geb. Kleberger
Helmut Löbrich
Georg Blum
Ignatz Baumgärtner
Robert Drullmann
Wilhelm Schudt
Robert Kleberger
Rudolf Fleischhauer
Robert Betz
Willi Philippi
Adolf Marloff, ehemals Keller
Wilhelm Breidenbach
Sepp Schmidt (Hof Keil, später Hof Fehlinger)
Adolf Weller
Scherer/Heinzmann
Landwirtschaftliche Betriebe um 1950
Wilhelm Euser
Otto Marloff, auch Gastwirt
Karl Seipp, auch Schuhmacher
Richard Marloff
Philipp Mörschel
Walter Drullmann
Hermann Drullmann
Albert Zorn, vormals Löbrich
Adolf Kleberger
Wilhelm Pieh, auch Hausmetzger
Karl Schaubach
Christian Sames, auch Milchkutscher
Karl Weckmann
Wilhelm Heyer
Wilhelm Schreitz
Wilhelm Mörschel
Rudolf Lindt
Ernst (Emmi) Heyer
Rudolf Hubeler
Karl Heyer, auch Hausmetzger
Karl Koch
Karl Schmidt
Wilhelm Lotz
Otto Fourier
Adolf Drullmann
Jubiläum 1200 Jahre

Der Nachtwächterrundgang im April 2017 führte zu nächtlicher Stunde auch am Breidenbach Hof vorüber.

Am Tag der offenen Höfe am 19. August 2018 war der Breidenbach Hof gut gefüllt.

Dreschmaschine am Tag der offenen Höfe.



