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Bahnhof

-Transport und Bergbau-

„Am Bahnhof hieß es: komme un gehe.“

Der Bahnhof Melbach war über viele Jahrzehnte das Tor des Dorfes zur Welt und ein entscheidender Motor seiner wirtschaftlichen Entwicklung. Nach jahrzehntelangen Diskussionen über den Streckenverlauf begann 1895 der Bau der Nebenbahn Friedberg–Hungen. Am 1. Oktober 1897 wurde die Strecke feierlich eröffnet.

 

Festlich geschmückte Züge, Musikvereine und zahlreiche Schaulustige säumten die Bahnhöfe entlang der Strecke. Auch in Melbach wurde der Anschluss an das Eisenbahnnetz als Beginn einer neuen Zeit gefeiert. Entlang der neuen Bahnstrecke wurden Bahnhöfe in ähnlicher Bauweise erstellt. Gleichzeitig erhielten die zuführenden Straßen alle eine Lindenbaum-Allee. Einzig in Melbach ist diese Allee noch erhalten. Für die Landwirtschaft brachte die Bahn enorme Vorteile. Zuckerrüben, Getreide, Vieh und andere Erzeugnisse konnten nun schnell und kostengünstig in die Städte transportiert werden.

 

Gleichzeitig erleichterte der Bahnhof den Bezug von Kohle, Baumaterialien und anderen Gütern. Der Bahnhof entwickelte sich zu einem wichtigen Arbeitgeber und machte Melbach für Pendler besser erreichbar. Bereits am ersten Betriebstag nutzten Dutzende Melbacher die neue Verbindung.


Während des Ersten und Zweiten Weltkriegs gewann die Strecke zusätzlich strategische Bedeutung. Lebensmittel, Kohle und Militärtransporte wurden über die Bahn abgewickelt, die deshalb zeitweise streng bewacht wurde. Nach dem Krieg veränderte jedoch der zunehmende Individualverkehr die Mobilität. Der Personenverkehr wurde Schritt für Schritt reduziert, die Bahnstrecke 1968 wegen des Braunkohletagebaus teilweise verlegt. Bis heute verkehren hier Regionalzüge.


Das ehemalige Bahnhofsgebäude hat jedoch seine Bedeutung verloren. Heute ist es ein Wohnhaus. Doch es erinnert an eine Zeit, in der die Eisenbahn Melbach eng mit der Wetterau und den umliegenden Städten verband, als es noch kaum Individualverkehr gab.

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Bahnhof mit Nebengebäude und Gleisen, ca. 1960.

Helmut Rieß: Der Bergbau. Eine Familientradition

Helmut Rieß gehörte zu den letzten Bergmännern der Wetterau, die noch unter Tage arbeiteten. Er lernte seinen Beruf in den 1950er Jahren. In Wölfersheim und dem nahen Melbach wurde Braunkohle zur Verstromung abgebaut. Für viele Familien bot der Bergbau über Generationen hinweg Arbeit.

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Eng verbunden mit der Geschichte des Bahnhofs war auch der Braunkohleabbau in Wölfersheim. In den 1860er Jahren gab es erste Überlegungen im Grubenfeld unter dem Dorf und den angrenzenden Feldern, Braunkohle abzubauen. Dagegen wehrten sich die Melbacher lange. Sie fürchteten die Vernichtung von wertvollem Ackerland. Doch es wurde auch deutlich, wie begehrt der Rohstoff in der aufkommenden Industrialisierung war.

 

1873 wurde daher der Schacht „Alte Ludwigshoffnung“ geteuft (gegraben) und zwei Jahre später begann der Abbau. Bis zur Schließung 1901 wurde etwa eine Million Tonnen Braunkohle gefördert. Dann war das Vorkommen bereits erschöpft. In etwa 4km Entfernung wurde 1901 der Schacht „Neue Ludwigshoffnung“ eröffnet. Hier wurde unter anderen Gruben ab 1927 in der Braunkohlengrube "Melbach" bis 1937 Braunkohle abgebaut.

 

Heute liegt an dieser Stelle der südliche Teil des Wölfersheimer Sees. Aus Melbach fanden in diesen Jahren etwa 30 Männer Arbeit im Bergbau. Der Bahnhof ermöglichte den Abtransport des geförderten Materials ins nahegelegene Kraftwerk nach Wölfersheim.

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Belegschaft der Grube Melbach über Tage, 1937.

Ilse Augustin: Die Kriegsjahre als Kind

Ilse Augustin hat als Kind die Kriegsjahre in Melbach miterlebt. Als das nahe Frankfurt bombardiert wurde, war der Himmel hell erleuchtet. Melbach blieb weitgehend verschont, obwohl der Bahnhof und der nahe Braunkohleabbau in Wölfersheim zu den kriegswichtigen Zielen gehörten. Die Menschen mussten bis in die Nachkriegsjahre große Entbehrungen hinnehmen.

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Im Schwelkraftwerk Wölfersheim wurden aus Braunkohle Ersatzprodukte für Treibstoffe hergestellt, Aufnahme um 1930.

Jubiläum 1200 Jahre

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Der Ortsrundgang im April 2017 vor dem Bahnhof in Melbach

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